Marokko

Der Start: Abschied & Aufbruch

13. Februar 2026. Der Tag, auf den wir so lange hingearbeitet haben: der Start unserer Reise von München bis nach Kapstadt. Los ging es bei Niklas zu Hause. Freunde kamen vorbei, Familie war da, ein großer, emotionaler Abschied. Selbst Mika unser neuer felliger Familienzuwachs, war da, um uns „Tschüss“ zu sagen. 

 

Wie zu erwarten hat sich unser Aufbruch direkt um drei Stunden verzögert. Irgendwie musste noch alles Mögliche erledigt werden, man verabschiedet sich doch noch ein zweites und drittes Mal, und plötzlich ist der halbe Tag vorbei. Aber dann ging es endlich los, Richtung Genua.

Und trotzdem haben wir beide noch gar nicht richtig realisiert, was da eigentlich vor uns liegt. Einmal quer durch Afrika.

Kilometer fressen

Vor uns lag eine lange Strecke auf unseren Motorrädern, zwei GasGas ES 700. Die Bikes sind grundsätzlich solide und auch halbwegs komfortabel, aber für solche Distanzen merkt man schnell, wie anstrengend es werden kann. Also hieß es: Autobahn, viele Pausen und durchziehen.

 

Die Route führte uns über den Brenner durch Österreich und weiter nach Italien. Irgendwann wurde es dunkel, und die letzten Stunden nach Genua hatten es in sich. Regen, schlechte Sicht, Baustellen und kaum erkennbare Fahrbahnmarkierungen machten die Fahrt richtig unangenehm. Mehr als einmal bin ich leicht von der Spur abgekommen, einfach weil man kaum etwas gesehen hat. Wir sind deshalb besonders vorsichtig gefahren und waren umso erleichterter, als wir gegen 23 Uhr endlich angekommen sind. Schnell eingecheckt, ins Bett gefallen und schon waren wir im Traumland.

Zwischen Altstadt und Hostel-Life

Am nächsten Tag mussten wir die Unterkunft wechseln und sind in ein Hostel gezogen, für mich eine kleine Premiere. Und was soll ich sagen: Es war meine erste richtig gute Hostel-Erfahrung. Ein riesiges, verwinkeltes Gebäude mitten in der Altstadt, hohe Decken, entspannte Leute und genau die Atmosphäre, die man sich wünscht.

 

Den Tag haben wir genutzt, um Genua zu erkunden. Enge Gassen, ständig bergauf und bergab, dieser leichte raue, alte Charme der Stadt, nichts wirkt geschniegelt, alles ein bisschen wild und genau deshalb besonders.

Abends wollten wir essen gehen, aber Valentinstag hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Alles war ausgebucht. Also haben wir improvisiert, Nudeln und frisches Pesto im Supermarkt gekauft und im Hostel gekocht. Einfach, aber trotzdem super lecker.

Fähre nach Marokko

Am nächsten Morgen ging es früh raus, um 6 Uhr standen wir auf der Matte und machten uns auf den Weg zum Hafen. Das Einchecken lief entspannt, nur die Ausreise aus Italien hat etwas gedauert.

 

Am Hafen haben wir zufällig eine Gruppe Schweizer kennengelernt, die ein ähnliches Ziel hatten wie wir. Auch sie waren auf dem Weg nach Afrika, teilweise bis Kapstadt. Wir haben uns direkt verstanden, Nummern ausgetauscht und uns vorgenommen, uns vielleicht unterwegs wiederzusehen.

 

Die Überfahrt selbst war überraschend angenehm. Eigene Kabine, gutes Essen, viel Schlaf, Serien und Gespräche. Außerdem haben wir die Einreise nach Marokko inklusive Motorrad-Import direkt auf der Fähre erledigt. Bei der Einreise bekommt man ein kleines Zolldokument, welches extrem wichtig ist, ohne das kommt das Motorrad später nicht mehr aus dem Land.

Erste Offroad-Erfahrungen

Nach zwei Tagen auf See sind wir früh morgens bei Sonnenaufgang in Tanger Med angekommen. Ein besonderer Moment. Zusammen mit den Schweizern ging es dann weiter Richtung Chefchaouen.

 

Dank eines Offroad-Navis von Ricky, einem der Schweizer sind wir schon kurz nach der Ankunft ins Gelände gefahren. Schotter, Erde, kleine Trails, genau das, worauf wir uns gefreut hatten. Es hat sofort Spaß gemacht.

 

Allerdings waren viele Strecken durch die vorherigen Überschwemmungen extrem matschig und schwer befahrbar. Auch wenn wir nicht komplett stecken geblieben sind, wurde schnell klar, dass das Risiko zu hoch ist. Also haben wir uns entschieden, auf die Straße auszuweichen

Ankommen und Durchatmen

Nach etwa 130 Kilometern erreichten wir Chefchaouen. Die blaue Stadt hat sofort ihren eigenen Zauber entfaltet. Unsere Unterkunft lag mitten in der Altstadt, mit einer Dachterrasse und Blick über die ganze Stadt.

 

Wir haben uns bewusst zwei Tage Zeit genommen, um anzukommen. Durch die Gassen schlendern, die Atmosphäre aufsaugen und einfach mal runterkommen.

 

Ein wichtiger Tipp: In der Altstadt sind die Restaurants deutlich teurer. Wer ein paar hundert Meter weiter rausgeht, bekommt besseres Essen für weniger Geld und oft größere Portionen.

 

Nebenbei haben wir unsere Reifen gewechselt, da die alten schon ziemlich abgefahren waren. Und endlich mussten wir die Ersatzreifen nicht mehr hinten am Motorrad mitschleppen.

Lange Strecken und Pizza

Mit frischen Reifen ging es weiter Richtung Casablanca. Leider mussten wir einen großen Teil der Strecke über die Autobahn fahren, da viele Landstraßen wegen Überschwemmungen nicht passierbar waren. Rund 400 Kilometer an einem Tag anstrengend und nicht ideal für die neuen Reifen.

 

Casablanca selbst hatte für mich ein klares Ziel: Pizza. Ich war vor ein paar Jahren schon einmal dort und hatte eine der besten Pizzen meines Lebens gegessen. Also sind wir genau dorthin zurückgefahren. Der Laden war größer und moderner geworden, aber die Pizza war immer noch genauso gut.

 

Der Laden heißt Cucina Napoli.

 

Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Atlasgebirge, mit einem Zwischenstopp in Beni Mellal. Dort haben wir zum ersten Mal richtig gemerkt, was Ramadan bedeutet. Tagsüber war es extrem schwierig, etwas zu essen zu finden, weil fast alles geschlossen hatte.

 

Am Ende sind wir bei McDonald’s gelandet – nicht die beste Option, aber die einzige.

 

Ab Beni Mellal wurde es wieder spannend. Mit unserer Offroad-Navigation sind wir durch kleine Dörfer, über Schotterpisten und schmale Wege gefahren. Genau das, was wir gesucht haben.

 

Marokko hat unglaublich viel zu bieten, wenn es ums Offroad-Fahren geht. Schon nach den ersten Strecken war klar: Wir werden definitiv wiederkommen.

Eine unerwartete Begegnung

Auf einer Passstraße haben wir eine Pause eingelegt, einfach um die Aussicht zu genießen. Dort hat uns ein Local angesprochen, der überraschend gut Deutsch sprach. Er fragte, ob wir mit ihm zu einem See fahren wollen, um uns zu unterhalten.

Ohne lange zu überlegen, haben wir zugesagt und genau das wurde zu einem der schönsten Momente unserer Reise.

 

Am See angekommen waren wir sofort begeistert. Der Ort war wunderschön, und schnell war klar, dass wir dort eigentlich auch übernachten wollten.

Der Mann lud uns zu sich nach Hause ein. Dort haben wir seine Familie kennengelernt und wurden unglaublich herzlich empfangen. Es wurde alles aufgetischt: Suppe, Couscous, Datteln, Süßigkeiten, Tee und sogar ein Avocado-Bananensaft.

 

Es war das erste Mal auf dieser Reise, dass wir wirklich echten, ehrlichen Kontakt zu Einheimischen hatten ohne Hintergedanken, ohne Erwartungen. Einfach pure Gastfreundschaft.

 

Trotz der Einladung, bei ihm zu übernachten, haben wir uns entschieden, zurück zum See zu fahren. Der Ort war einfach zu besonders.

 

Also sind wir im Dunkeln wieder zurückgefahren, vorsichtig über die Offroad-Strecken, haben unsere Zelte aufgebaut, ein Lagerfeuer gemacht und den Abend ausklingen lassen.

Und schließlich sind wir unter einem unglaublichen Sternenhimmel eingeschlafen.

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